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Die Mediation
Oft können beide nicht mehr miteinander sprechen:
  • der Gesellschafter, der aus einer GmbH ausscheiden möchte, weil er mit dem anderen Gesellschafter zerstritten ist,
  • der Geschädigte und die Versicherung des Schädigers, weil sich die Gespräche schon gleich am Anfang vollständig verhärtet haben,
  • der Arbeitnehmer und sein Vorgesetzter, die sich schon lange nicht mehr über den Weg trauen,
  • der Lieferant und der Besteller, die sich nicht über die Minderung wegen eines Mangels verständigen können,
um nur einige Beispiele zu nennen.

In vielen Fällen ist der nächste Schritt der Gang zum Rechtsanwalt und dann zum Gericht, obwohl die Beteiligten dies eigentlich nicht wollen. Sie wissen um die finanziellen Belastungen, den Zeitaufwand und die sonstigen nachfolgenden Konsequenzen wie fehlende zukünftige Kooperation und schlechtes Image. Zudem ist der Ausgang vor Gericht ungewiss und nimmt viel von der Aufmerksamkeit in Anspruch, die man eigentlich für andere Dinge notwendig brauchte. Die Mediation will und kann hier neue Möglichkeiten eröffnen. Obwohl ein eigentlich bewährtes Mittel mit hohen Erfolgsziffern, ist sie nur wenigen bekannt.

Anders als beispielsweise ein Schiedsgericht finden die Parteien mit Hilfe des Mediators die Lösung ihres Problems selbst. Dabei geht es nicht nur um den alten Streit. Man kann z.B. auch ein in die Zukunft gerichtetes Paket schnüren, das beiden Interessen dient. Es soll also nicht Gewinner und Verlierer geben, sondern eine Lösung gefunden werden, von der beide Seiten profitieren können und die für beide Seiten akzeptabel ist, ein Ergebnis, das in einem Gerichtsverfahren in der Regel gar nicht möglich wäre.

Um deutlich zu machen, was die Mediation leisten kann, will ich auf die oben angeführten Fälle zurückkommen:

  • Bei dem GmbH-Fall haben die Gesellschafter in ihrem Streit ganz übersehen, dass sie auch zukünftig nach der Trennung voneinander profitieren können, weil sie unterschiedliche Produktbereiche haben und sich so bei Aufträgen ergänzen können. Nach dieser Erkenntnis ist für beide eine Klärung auch der alten Streitpunkte nicht schwer.
  • Im Versicherungsfall hat die Wortwahl der Versicherungsseite zu einer Verhärtung geführt, weil sie dem Geschädigten angesichts der schweren Folgen völlig inakzeptabel scheint. Als dies angesprochen wird, kann durch eine entsprechende Klarstellung der abgerissene Gesprächsfaden wieder aufgenommen werden.
  • Bei der Mediation des innerbetrieblichen Falles zeigt sich eine Störung der Kommunikation zwischen beiden, weil der neue Abteilungsleiter dem älteren Mitarbeiter ohne Ankündigung vorgesetzt wurde. In der Mediation finden beide einen Weg wie durch Abgrenzung von eigenständigen Aufgabenbereichen der neue Abteilungsleiter von den Erfahrungen des Mitarbeiters profitieren kann und gleichzeitig die notwendige Unterstützung für die Neuorganisation erhält.
  • Im Lieferantenfall erkennen beide sehr rasch wie sich eine abweichende Verwendung des nicht vereinbarungsgemäß gelieferten Produktes mit einer Neubestellung verbinden lässt. Beide Parteien kommen schnell zu einer Gesamtvereinbarung, die insgesamt für beide befriedigend ist und die bisher gute Geschäftsbeziehung aufrechterhält.

Die Beispiele zeigen, was in einer Mediation möglich ist, wenn die beiderseitigen Interessen berücksichtigt werden und es weniger darum geht, wer in der Vergangenheit Recht hatte. Oft gelingt es sogar, für beide Seiten mehr zu erreichen, als ursprünglich erwartet wurde.

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